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Gezügelte Patella - Luxationstendenzen entgegenwirken

Artikel in Bauerfeind Life 1/2008:

Kniebeschwerden sind oft Patellabeschwerden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Lateralisation der Kniescheibe mit ihrer Tendenz zur Luxation. Anhand der neuen Kniebandage "GenuTrain P3" definiert der Kieler Orthopäde Dr. Frank Pries gemeinsam mit dem Medical Technical Support von Bauerfeind die kritischen Zonen bei der konservativen Versorgung der Fehlgängigkeit: die innen und außen an der Patella angreifenden Bandstrukturen sowie das peripatellare Muskelspiel.

Normalerweise wird die Patella durch einen genau festgelegten Band- und Muskelzug in ihrer angestammten Bahn zwischen den beiden Oberschenkelrollen (Femurkondylen) gehalten. Mehrere Faktoren stören diese austarierte Spannung. Erstens: Die Asymmetrie der Oberschenkelrollen, welche die Kniescheibe permanent nach lateral drückt. Zweitens: Ein schwacher Vastus medialis, der eigentlich den physiologischen Tonus für die stabilisierende Bandstruktur vorgibt. Drittens: Eine anlagebedingt ungeeignete Passform der Kondylen oder auch der Patella selbst. Im Zusammenwirken dieser drei Faktoren ist die Gefahr groß, dass die Kniescheibe aus ihrem Gleitlager schnellt. Ein Sturz oder Schlag sind meist Auslöser der Luxation. Tendenz steigend: Weitere Luxationen in immer kürzeren Zeitabständen folgen, häufig mit späterer, manifester Arthrose. Verstärkt wird die degenerative Veränderung durch Knorpelschäden, wie sie sich auch Daniel Wessig zugezogen hat. Seine Miene hat sich indes aufgehellt. Nach arthroskopischer Behandlung von Dr. Pries musste der Kieler Rekonvaleszent zwar noch eine sportliche Zwangspause einlegen. Der Zwanzigjährige nutzte sie aber therapeutisch sinnvoll, indem er im Verlauf der Rehabilitationsphase als einer der ersten Patienten überhaupt die neue GenuTrain P3 Aktivbandage trug. Diese speziell zum Schutz der Kniescheibe weiterentwickelte Bandage erlaubt es, die Patellalateralisation zu zügeln.  

Sturz oder Schlag meist Auslöser der Luxation 
Die Verletzung traf Daniel Wessig nicht überraschend. Bereits vor sieben Jahren geriet der junge Handballspieler des THW-Kiel schon einmal aus der Spur. Genauer gesagt der Teil seines Knies, der den Kraftschluss zwischen Ober- und Unterschenkel gewährleistet – die Patella. Bei dem Unfall vor sechs Monaten ging die knöcherne Scheibe, die eigentlich das Knie schützen und stabilisieren soll, eigene Wege. „Auslöser war eine ganz normale Spielsituation“, schildert der junge Mann. „Wir spielten zur Auflockerung Fußball. Ich machte eine Bewegung zum Ball. Plötzlich spürte ich, wie das Knie schwammig wurde. Es knickte einfach weg. Dann kam der Schmerz.“ Diagnose: Patellasubluxation mit Knorpelabsprengung. Den steten Zug, der Daniel Wessig am Ende den Boden unter den Füßen wegzog, spüren viele: „Ein Großteil aller Knieprobleme betreffen die Patella“, bestätigt Dr. Frank Pries. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Mannschaftsarzt des THW Kiel leitet das Department für Arthroskopische Chirurgie und Sporttraumatologie am MARE Klinikum in Kiel-Kronshagen. Dort behandelt er, neben meist älteren Patienten mit arthrotischen Veränderungen der Kniescheibe, größtenteils sportlich aktive Menschen mit Patellaproblemen. „Bei ihnen sehen wir nur ganz selten eine reine Überlastung“, berichtet der Arzt. „Hauptursache ihrer Beschwerden ist die Patellalateralisation mit der Tendenz zur Luxation.“

Segel verhindert Kippen der Kniescheibe
„Die Änderungen im Vergleich zum Vorgängerprodukt stecken im Detail. Es war eine logische Weiterentwicklung.“ Joachim Böckelmann steht in der Lobby des MARE-Klinikums und zeigt stolz die neue Bandage. Kurzerhand dreht der Leiter des Bauerfeind Medical Technical Support die GenuTrain P3 von innen nach außen und verweist auf zwei der zentralen Neuerungen: „Wir haben den Korrekturzügel hier dichter an die Pelotte angelegt. Somit erreichen wir eine noch engere Führung der Patella. Ganz neu ist dieses Segel. Eine Abdeckung, die in die Textur der Bandage integriert wurde. Das Segel kommt direkt auf der Kniescheibe zu liegen und soll das Kippen der Patella verhindern.“ Kaum jemand besitzt profunderes Wissen über die Einzelheiten der neuen GenuTrain P3 als Joachim Böckelmann. Er und sein Team haben die Aktivbandage von der Idee bis zur Umsetzung lückenlos begleitet. Heute sind Joachim Böckelmann und seine Mitarbeiterin Katja Speth, Diplom-Ingenieurin Technische Orthopädie, nach Kiel gereist, um ihre spezifischen Anwendungskenntnisse mit den bisherigen Produkterfahrungen von Dr. Pries abzugleichen. Der Orthopäde bereitet eine Studie vor, die die Wirksamkeit der GenuTrain P3 mithilfe der Kernspintomographie untermauern soll und damit die Reihe der positiven Ergebnisse bereits erfolgter Testungen fortsetzen würde: „Mich interessiert besonders, wie sich das Segel und die Pelotte mit dem Korrekturzügel bei verschiedenen Beugungswinkeln des Knies verhalten und welche Auswirkungen diese Elemente auf Bänder und Muskulatur haben“, erklärt er. „Wir wissen ja, wie wichtig das peripatellare Muskelspiel für die korrekte Positionierung der Kniescheibe ist.“ Dass diese Elemente funktionieren, hätten seine ersten Erfahrungen gezeigt (siehe auch oben). Gleichfalls als Bestätigung der Bauerfeind Entwicklungsarbeit können die Erfahrungen Daniel Wessigs verstanden werden. Vor kurzem hat er sein erstes Ligaspiel wieder erfolgreich bestritten. Vor jedem Spiel streift er sich die neue Aktivbandage gegen die Patellalateralisation über. „Ich fühle, dass es wieder rund läuft im Knie. Stabilität und Sicherheit sind zurückgekehrt. Die Bandage trägt sich sehr gut. Im Vergleich zur alten ist sie sogar noch dynamischer. Und sie sitzt prima in der Bewegung.“

Umfassendes Therapiekonzept für das Knie 
Das Stichwort „dynamisch“ kennzeichnet ebenso treffend das Gesamtkonzept, das hinter der neuen GenuTrain P3 steht: das Train Konzept für das Knie. Beschreibt es doch die unmittelbare Umsetzung sowohl materialtechnischer als auch anwendungstherapeutischer und klinischer Fortschritte im Produkt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Welche Bandage kann bei welcher Indikation zu welchem Zeitpunkt eingesetzt werden? So ist die GenuTrain bei leichteren Instabilitäten geeignet, während die GenuTrain A3 das Mittel der Wahl ist bei Schmerz- und Arthrosezeichen meist älterer oder vorverletzter Patienten. Bei starkem vorderen Knieschmerz, dem femoropatellaren Schmerzsyndrom und der Patellalateralisation etwa empfiehlt sich der Einsatz der enuTrain P3. „Wir wollen keine Einzellösungen nbieten“, bekräftigt Joachim öckelmann, „sondern den Menschen in einer übergreifenden Kniesymptomatik it klar differenzierten Produkten begleiten.“ Ein besonders weiches Gestrick in der Kniekehle, die neurophysiologisch wirksame Detonisierungspelotte, eine Pelotte mit Friktionspunkten und nicht zuletzt der Korrekturzügel sind nur einige der Merkmale der neuen GenuTrain P3. Und die machen den Unterschied aus, wenn es darum geht, die Patella im Zaum zu halten – mit der eindeutigen Tendenz zur Beschwerdefreiheit.