Technisch-biomechanische Entwicklungen in der Verankerung sowie der exakten Platzierung des Kreuzbandersatzes führten zum Durchbruch der arthroskopischen Technik bei der Kreuzbandoperation. Der Eingriff kann mit 2-3 Tagen Klinikaufenthalt durchgeführt werden.
Als Ersatzmaterial wird heute bevorzugt körpereigenes Gewebe, z. B. eine Sehne aus dem Oberschenkel (Semitendinosussehne) entnommen. Die übrige Muskulatur kann den Wegfall dieser Sehne gut kompensieren. Als Alternative wird das mittlere Kniescheibensehnendrittel verwendet.
Aus der Sehne wird ein ca. 8-9 mm dickes Transplantat erstellt, das unter optischer Kontrolle in definierte Bohrkanäle des Unter- und Oberschenkels eingepflanzt und mit einer speziellen Technik fest verankert wird.

links: gerissenes Kreuzband
rechts: nach Kreuzbandersatz
Eine neue Entwicklung in der Implanationstechnik ist die Rekonstruktion der beiden anatomischen Bündel (AM-und PL-Bündel) mit der Doppel-Bündel-Technik. Mit dieser OP-Methode kann eine bessere Dreh-Stabilität des Kniegelenkes erreicht werden.


links: gerissene Kreuzbandbündel
rechts: nach Kreuzbandersatz mit der Doppel-Bündeltechnik
Die Festigkeit der Verankerung ermöglicht die frühzeitige Mobilisierung des Gelenkes und damit die Vermeidung von Bewegungseinschränkungen. Die Einheilungszeit der Ersatzsehne beträgt 3 Monate. Die Erfolgsquote für Stabilität nach einer Kreuzbandersatzoperation liegt mittlerweile bei 95 %. Die zwangsläufige Sportpause nach einem solchen Eingriff liegt weiterhin bei 6-8 Monaten.
Meniskusnaht
Ist zusätzlich ein Meniskus unfallbedingt vertikal und nah an seiner Basis gerissen, sollte er erhalten, d.h. genäht werden. Neu sind Naht-Ankertechniken, bei denen mit die Nähte über die kleinen arthroskopischen Zugänge eingebracht werden können. Zusatzschnitte entfallen. Die Erfolgsquote liegt bei 70-80%.
Allerdings können nicht alle frischen Meniskusschäden repariert werden. Wie verschleißbedingte Risse müssen sie dann unter Belassung intakter Anteile teilweise entfernt werden.

Vor, während und nach einer arthroskopischen Innenminiskusnaht
Seitenbänder
Nur selten müssen mitverletzte Seitenbänder genäht werden. Häufig ist das innere Seitenband nahe am Oberschenkel (teil-)gerissen, wobei der untersuchende Arzt nahezu immer eine Reststabilität des Bandes feststellen kann. Wird nach der Kreuzbandoperation die Streckung auf 10° und die Beugung auf 80° für 3 Wochen im Brace begrenzt, kann das Seitenband spontan heilen. Der Physiotherapeut sollte allerdings trotz der Streckbegrenzung moderat in die volle Streckung üben, um Verwachsungen im Kreuzbandtunnel (Notch) und damit die Entstehung eines Cyclopssyndroms zu vermeiden.
Cyclopssyndrom
Eine seltene Komplikation nach Kreuzbandoperationen ist eine bindegewebige Wucherung zwischen dem Transplantat und dem Dach der Intercondylenzone (Notch). Ursächlich kann eine Fehlheilung des Transplantates aber auch eine nicht rechtzeitig erreichte Streckung nach der Operation sein. Letztere verursacht ein Einwachsen von wilden Fasern in den Raum, den ein Kreuzband bei voller Streckung einnehmen würde. Bei fortwährenden Übungen gegen die bereits entstandene Einwachsung kommt es zur Bildung eines Faserkneuel (Cyclops), das schließlich operativ entfernt werden muss, um das Steckdefizit zu beseitigen.
Bei verbleibender Streckeinschränkung nach Kreuzbandersatz sollte ein Kernspintomogramm (MRT) zu Klärung der Diagnose veranlasst werden. Der optimale OP-Zeitpunkt ist zwischen dem 3. und 6. Mo. pOP. In fast allen Fällen leidet das Transplantat und damit die Stabilität der Kniegelenkes hierunter nicht.