Arthrose- und Knorpelchirurgie

5 Millionen Bundesbürger leiden unter Kniegelenksarthrose. Sie ist gekennzeichnet durch einen übermäßigen und vorzeitigen Abrieb des die Knochenenden von Ober- und Unterschenkel bedeckenden Gelenkknorpels. Die Arthrose kann durch eine Reihe von Faktoren verursacht sein, so z. B. ständige Überlastung (Sport, Beruf), unfallbedingte Schädigungen des Bandapparates oder der Menisken, Übergewicht oder auch hormonelle Störungen. Eine Arthroseentwicklung ist auch bei Menschen mit X- oder O-Beinen wahrscheinlicher.

 

Knorpel-/Knochen-Abrasionsmethoden

Wenn keine Bewegungstherapie, Medikamente und auch die Spritze nicht mehr hilft, kann die arthroskopische Operation das Gelenk durch Beseitigung der geschädigten und Entzündung verursachenden Knorpelschäden beruhigen. Reparaturmechanismen werden angestoßen, welche zur Wiederherstellung gleitfähiger Knorpeloberflächen und einer Normalisierung Viscosität der Gelenkflüssigkeit führen.

Mit verschiedensten Minifräsen kann der Operateur die aufgeriebene bzw. aufgebrochene Knorpeloberfläche glätten. Nach Monaten entsteht eine feine Knorpel-Regeneratschicht.

Bei tiefgreifenden Knorpelschäden bis auf den Knochen kann durch Eröffnung der Knochenmatrix unterhalb des Schadens neuer Regeneratknorpel angeregt werden und dadurch das Gelenk über viele Jahre vor einem weiteren Arthroseschub oder gar einem künstlichen Gelenkersatz bewahrt werden.



Inneres Unterschenkelplateu im rechten Kniegelenk
direkt vor und nach OP, sowie 1 Jahr nach OP

 

Bei einseitigem Gelenkbefall ist es oft notwendig, eine durch den Verschleiß zunehmende O-/X-Beinachse durch eine weitere Operation zu begradigen, bzw. die Hauptlast auf die gesunde Gelenkaußenseite umzustellen. Erst danach kann der innere Gelenkabschnitt ausheilen.

Knie vor und nach Korrektur
einer O-Beinachse


 

 

 

Für die befallene Kniescheibe würde dies bei starker Fehllage, welche immer eine zu starke Außenlage ist, eine Verlagerung zur Innenseite bedeuten. Diese wird durch Versetzung der Kniescheibensehne am Unterschenkelkopf erreicht.

 

vor (o. li.), nach (u. li/re.)
Kniescheibenverlagerung
(Zeichnung Toft)

 

 

Knorpeltransplantation

Knorpeldefekt vor OP / Transplantatzylinder /
Transplantat-Mosaik nach OP / Kernspintomogramm 1 Jahr nach OP

Der Knorpeltransplantation gehört die Zukunft, wenn sie auch heute nur bei verletzungsbedingten Schäden und bei der Osteochondrosis dissecans, noch nicht aber bei der Arthrose eingesetzt werden kann. Verschiedene moderne Verfahren sind in Erfolg versprechender Entwicklung und teilweise schon im Einsatz. Unten gezeigt am Beispiel der Knorpel-Knochen-Transplantation.

Deren Alternative, die Autologe Chondrocyten-transplantation (ACT) basiert auf der Wiedereinbringung entnommener und im Labor angereicherter eigener Knorpelzellen in den Knorpeldefekt. Zwei Eingriffe sind hierbei nötig. Bei modernen Verfahren werden die der Knorpelzellen auf einer Trägermatrix in Flies– oder Kugelform (Abb.) selbsthaftend in den Defekt eingebracht und wachsen danach weitere 6 Monate.


Zusammenfassung

Die arthroskopische Arthrose-und Knorpelchirurgie ist zur operativen Basistherapie der großen Gelenke geworden. In vielen Fällen ermöglicht sie erst die exakte Diagnose. Die arthroskopischen OP-Verfahren sind schonender und ermöglichen nach der Operation eine schnellere Funktionalität der Gelenke.

Die Heilung der behandelten Oberflächen kann trotzdem Wochen bis Monate andauern, und so muss ein Patient oft viel Geduld aufbringen, bis das gewünschte OP-Ergebnis erreicht ist. Statistisch werden die positiven Ergebnisse der Methoden bei ca. 80% angegeben. Da die Prognose der Erkrankung u.a. von dem Ausmaß der Schädigung abhängt, kann der Operateur oft erst nach der OP das endgültige Nachbehandlungsschema individuell festlegen.

Nicht immer wird das Ergebnis gleich beim ersten Eingriff erreicht. Bei fortgeschrittenen und/oder fortschreitenden Schäden kann eine Kontroll-Arthroskopie mit ergänzenden Maßnahmen die Folge sein. Dennoch können Arthroskopische Knorpeloperationen die Implantation einer Endoprothese (künstlicher Gelenkersatz) um Jahre verzögern bzw. ganz unnötig machen.