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Achsumstellung bei Kniearthrose - Abstract

Die Ergebnisse nach hoher valgisierender Tibiakopfumstellungsosteotomie (HTO) sind unabhängig vom Patientenalter, BMI oder Ausdehnung des Knorpelschadens

Hartz, C.(1), Meyer, D.(1), Pries, F.(2), Finn, J.(1), Seekamp, A.(1), Varoga, D.(1)

1 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Unfallchirurgie, Kiel, Germany,
2
Mare Klinikum, Department Arthroskopische Chirurgie, Sporttraumatologie, Kiel-Kronshagen, Germany

Fragestellung: Die hohe valgisierende Tibiakopfumstellungsosteotomie (HTO) in Kombination mit knorpelstimulierenden Operationstechniken ist ein bewährtes Verfahren zur gelenkerhaltenden Behandlung der medialen Gonarthrose. Viele Patienten weisen zusätzlich femoropatellare Knorpelschäden auf. Ziel unserer Studie war die Überprüfung der klinischen und funktionellen Ergebnisse nach HTO in Kombination mit Abrasionsarthroplastik (AAP) bei isoliert medialer oder bikompartimentärer Gonarthrose. Von Interesse war auch den Einfluss des Patientenalters oder BMI auf das Ergebnis zu ermitteln.

Methodik: 51 Kniegelenke (33 Männer, 17 Frauen, mittleres Alter zum OP-Zeitpunkt 59 Jahre) wurden 44 (30-69) Monate postoperativ untersucht. Die medial aufklappende HTO unter Verwendung der Spacer Platte nach Puddu (Arthrex®) wurde bei allen Patienten vom selben Operateur sieben Tage nach arthroskopischer AAP durchgeführt. Die Patienten wurden gemäß ihres femoropatellaren Knorpelschadens eingeteilt (1:0-I°, 2: II-III°, 3: IV° nach Outerbridge), der Schaden im medialen Kompartiment betrug bei allen Kniegelenken III-IV°. Das klinische und funktionelle Ergebnis wurde durch Untersuchung, radiologische Diagnostik und Erhebung wissenschaftlicher Scores (Lysholm-, OAK-Score, WOMAC, IKDC subjektives Formblatt) erfasst.

Ergebnisse: Im Lysholm-Score (max. 100 Punkte (Pkt.), 84 Pkt. = gut“) wurden in Gruppe 1 durchschnittlich 84 Pkt., in Gruppe 2 87 Pkt. und in Gruppe 3 84 Pkt. erreicht. Im WOMAC-Score (Globalindex max. 10 Punkte, je höher der Punktwert, desto schlechter die Gelenkfunktion) wurden in Gruppe 1 durchschnittlich 1,98 Pkt., in Gruppe 2 1,38 Pkt. und in Gruppe 3 1,95 Pkt. erreicht. Im OAK und IKDC-Score erreichte die Gruppe 3 im interindividuellen Gruppenvergleich ebenfalls keine funktionell schlechteren Ergebnisse. Patienten 65 Jahre (n=10) oder einem BMI 30 (n=11) wiesen in den klinischen und funktionellen Untersuchungen keine schlechteren Ergebnisse auf. Der mechanische femorotibiale Winkel erreichte eine Korrektur von Ø 1,8° Valgus (0°-4,2°). 94% der Patienten gaben an, von der Operation profitiert zu haben, 85% der Patienten würden die HTO zum jetzigen Zeitpunkt wiederholen.

Schlussfolgerung: Die Indikation zur HTO bei bikompartimentärer Gonarthrose, hohem Patientenalter oder BMI wird kontrovers diskutiert. Die Ergebnisse unserer Studie belegen durchschnittlich 3,6 Jahre nach HTO unabhängig vom Patientenalter (65 Jahre), BMI oder Ausdehnung des Knorpelschadens gute klinische und funktionelle Ergebnisse bei hoher Patientenzufriedenheit. Basierend auf unseren Ergebnissen sollte die Indikation zur gelenkerhaltenen HTO bei Gonarthrose großzügiger gestellt und damit die endoprothetische Versorgung hinausgezögert werden.